Von allen guten Geistern verlassen

Bekanntlich soll die gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung des St. Marien-Krankenhauses im Laufe des Jahres 2022 an das St. Agnes-Krankenhaus in Bocholt verlegt werden.

Und dies trotz der etwa 500 Geburten pro Jahr in Borken.

Fast 6000 Bürger*innen forderten in einer Unterschriftenaktion und On-Line-Petition den Erhalt der Geburtshilfestation im St. Marien-Krankenhaus.

In einem Schreiben an den Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins bedankt sich jetzt CDU-Minister Karl-Josef Laumann für die Übersendung der Unterschriften.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Entscheidung für eine Zusammenlegung der Geburtshilfen von Borken und Bocholt alleine in der Zuständigkeit der Klinikverbundleitung läge. Einzig die Vorgabe, die Fahrtzeit von 40 Minuten nicht zu überschreiten, müsse beachtet werden, so der Gesundheitsminister in seinem Brief.

Allerdings hat er gerade diese Vorgabe zuletzt selbst in Frage gestellt. So fordert Laumann in einem Beitrag im „Observer Gesundheit“, dass 90 Prozent der Bürger*innen in Nordrhein-Westfalen innerhalb von 20 Minuten ein Krankenhaus erreichen können. Dies sei eine Konsequenz aus der Corona-Pandemie. Vorher hatte der Minister bereits für 30 Minuten plädiert. „Wir müssen einen gewissen Puffer an Überkapazitäten finanzieren, damit wir in einer Krise kein Problem haben“, so Laumann.

Warum das für die Borkener Geburtshilfestation nicht gelten soll, muss der Gesundheitsminister noch erklären.

„Andere Bundesländer, andere Politik“, verweist SPD-Vorsitzender Jürgen Niemeyer auf ein Förderprogramm, das 2017 im unionsgeführten Bayern aufgelegt wurde. Das Ziel des Programms besteht darin, kleinere Geburtshilfeabteilungen im ländlichen Raum zu sichern. Damit werden Landkreise und kreisfreie Städte im ländlichen Raum finanziell unterstützt, die Defizite kleinerer Geburtshilfestationen ausgleichen. Der Freistaat übernimmt dabei im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel bis zu 85 Prozent des auf die Geburtshilfe entfallenden Defizits – maximal jedoch eine Million Euro je Haus.

Diese Unterstützung wünscht sich die SPD auch für das Borkener Krankenhaus. Deshalb hat sie einen entsprechenden Antrag an den SPD-Landesparteitag geschickt.

Die Geburtsstation in Borken darf nicht geschlossen werden.