Warum Borken einen Seniorenbeirat braucht!

Ein Beitrag von Friedhelm Ashoff, Heiden

In der Ratssitzung am 6. November 2019 beantragte die SPD Fraktion zum zweiten Mal die Gründung eines Seniorenbeirates (SB). Trotz guter Argumente lehnte die Mehrheit von CDU und UWG den Antrag ab, und dies mit nicht überzeugenden Argumenten.

Mit den nachfolgenden Ausführungen unternimmt der Autor den Versuch, darzustellen, warum die Ratsentscheidung falsch ist, was ein Seniorenbeirat ist und welche Vorteile er für die Menschen in Borken, aber auch für Verwaltung und Politik hat.

Der demografische Wandel ist ein Fakt mit der Folge, dass der Anteil der Menschen über 60 Jahre an der Bevölkerung sich erhöht. Dies ist nicht zu beklagen, sondern muss als Gewinn der Zivilisation angesehen werden. Die Lebensphase Alter erfährt einen Sinneswandel. Ältere Menschen heute wollen ihr Leben zunehmend individuell aktiv und selbstbestimmt gestalten. Die Rolle älterer Menschen in unserer Gesellschaft gewinnt – quantitativ und qualitativ – erheblich an Gewicht. Politische Teilhabe Älterer ist heutzutage, und dies gilt auch für die Borkener, ein Gebot der Stunde. Dabei reicht es nicht aus, dass der Rat, wie oft behauptet wird, zum großen Teil aus älteren Kommunalpolitikern besteht, die angeblich die Interessen älterer Mitbürger vertritt. Wenn diese These stimmen würde, dann gebe es ja all die Herausforderungen in der Seniorenpolitik gar nicht, mit denen sich die SBs und ihre Dachorganisation, die Landesseniorenvertretung NRW (LSB), in unterschiedlichen Zusammenhängen, Konstellationen und Schwerpunkten befassen.

Dann hätten Politik und Verwaltung in Borken nicht 2016 durch Studenten der Uni Münster die Situation älterer Menschen in Borken unter dem Titel „Leben im Alter in Borken“ untersuchen lassen. Die dort auf 251 Seiten dokumentierten Erkenntnisse sind m. E. in keiner Weise umgesetzt.

In dem Papier finden sich zahlreiche Anregungen, die geradezu als Aufgaben für einen SB prädestiniert sind. Ein SB in Borken entlastet auf Dauer die Verwaltung, kostet so gut wie kein Geld, da er sich erfahrungsgemäß über Spenden finanzieren kann. Die Seniorenbeiräte wirken ehrenamtlich und selbständig, natürlich in Kooperation mit der Verwaltung. Selbst die Studenten empfahlen den Ausbau des seit 2013 existierenden Seniorenforums. Als politische Teilhabe kann dieses Gremium nicht angesehen werden, da es lediglich aus einmal pro Jahr stattfindende Nachmittagsveranstaltung über ca. 2 ½ Stunden besteht.

Auch die Gemeindeordnung NRW deutet im § 27a u. a. auf die Partizipation durch Seniorenbeiräte hin. Nachfolgend sind acht weitere Gründe, die für einen Seniorenbeirat in Borken sprechen, aufgeführt.

1. Der SB würde den demografischen Wandel in Borken begleiten. Er böte den älteren Menschen eine Möglichkeit der unabhängigen Teilhabe (=Partizipation) innerhalb Borkens. Er wäre damit Bestandteil der Teilhabekultur und -atmosphäre in Borken.

2. Ein Borkener SB wäre in seiner Willensbildung und in seinem Handeln dem Grundsatz der Unabhängigkeit in Bezug auf Parteien, Konfessionen und Verbänden verpflichtet.

3. Der SB würde die kommunalpolitischen Prozesse in Borken unabhängig und lösungsorientiert begleiten.

4. Ein Borkener SB würde im vorparlamentarischen Raum wirken. D.h., er würde ergänzend zu den legitimierten Vertreterinnen und Vertretern des Rates ein Antrags- und Rederecht einfordern. Der SB würde gelebtes bürgerliches Engagement darstellen.

5. Der SB würde generationsübergreifend wirken. Denn Alter ist ein Prozess, der mit der Geburt beginnt und alle Menschen zu unterschiedlichen Zeiten trifft.

6. Der SB würde beanspruchen, die Interessen älterer Borkener zu vertreten. Dieser Anspruch kann aber nur glaubwürdig sein, wenn der SB dazu ein Mandat der älteren Mitbürger bekäme. Wesentlich ist dabei der Ansatz, nicht für die alten Menschen, sondern mit ihnen und in ihrem Auftrag zu handeln.

7. Ein SB Borken würde ehrenamtlich und bürgerschaftlich arbeiten. Er würde politisch arbeiten, weil es ihm um die Weiterentwicklung und Veränderungen älterer Menschen in Borken gehen würde.

8. Ein Borkener SB wäre in vielfacher Weise vernetzt, u. a. auf Kreisebene und über die LSV zu bundesweiten Organisationen wie z. B. die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) oder den verschiedenen Ministerien in Düsseldorf. Die LSV ist Kooperationspartner u. a. vom Westfälischen Turnerbund, dem Landessportbund und dem Landesjugendring. Des Weiteren ist die Landesseniorenvertretung an Projekten des QuartiersNETZ Gelsenkirchen, der Quartiersakademie, der Landesverkehrswacht und der Sozialen Wohnraumförderung NRW beteiligt. Seit Jahren unterstützt wird die LSV durch eine Mitarbeiterin des Instituts für Gerontologie der Universität Dortmund.

Das Fazit der Ausführungen kann nur sein: Borken braucht einen Seniorenbeirat. Alle Parteien im Rat sind deshalb aufgefordert, einer Gründung zuzustimmen.

(Quellen: eigene Erfahrungen des Autors und www.lsv-nrw.de)